Kreuzfahrt – Juli – Travel

Kreuzfahrt (Part 2): die Kanaren, Madeira und die Azoren

Der letzte Beitrag endete mit unserer Ankunft auf dem Schiff und ab hier geht es jetzt los mit der eigentlichen Kreuzfahrt. Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, wie aufgeregt ich war, das erste Mal auf so einem großen Schiff zu sein. Nach unzähligen Titanic-Filmabenden macht man sich ja doch irgendwie ein bisschen verrückt 😛 Aber sobald man einen Fuß an Deck setzt, ist man einfach nur beeindruckt von der ganzen Pracht und der Größe des Schiffes von innen. Es ist wirklich unglaublich und gleicht einem Luxus-Hotel auf dem Wasser. Das Besondere ist außerdem, dass es auf der MS Europa 2 im Gegensatz zu anderen Kreuzfahrtschiffen keine Innenkabinen gibt. Davor graute es mir nämlich um ehrlich zu sein auch etwas. Stattdessen hatten wir eine wunderschöne Außenkabine mit Balkon. Die hat wirklich alle Erwartungen übertroffen- so wie der Rest des Schiffes auch. Nachdem wir also die Ausfahrt aus Lissabon mit einem leckeren Cocktail vom Heck des Schiffes aus beobachtet hatten, sind wir todmüde ins Bett gefallen. Um ehrlich zu sein war die erste Nacht extrem gewöhnungsbedürftig. Das Schaukeln fühlt sich ungefähr so an, als würde man betrunken im Bett liegen. Sehr gewöhnungsbedürftig um ehrlich zu sein und die Nacht war dementsprechend etwas unruhig.

Tag 1

Der erste Tag war ein Seetag, deswegen konnten wir uns an das Schaukeln gewöhnen und uns schon einmal mehr auf Urlaub und Entspannung einstimmen. Den  Großteil des Tages haben wir am Pool auf dem obersten Deck des Schiffes verbracht und sind nur zwischendurch zum Essen und Schwimmen aufgestanden. Zu unserem größten Erstaunen handelte es sich sogar um einen Salzwasser-Pool. Aber selbst das Schwimmen darin wurde zu einer kleinen Herausforderung in Anbetracht des Schaukelns. Teilweise hatte man das Gefühl, man wäre im Wellenbad. Aber ein bisschen Sport muss zwischen den ganzen Fress-Eskapaden auch mal sein. Mittags haben wir meist am Buffet oder an der Grillstation gegessen. Zum Nachtisch gab es dann jeden Tag mindestens zwei Kugeln Eis. An einer riesigen Eis-Station konnte man jeden Tag zwischen wechselnden Sorten wählen. Natürlich kann man da nicht Nein sagen. Es gibt höchstens einen Tag, an dem ich es mir aufgrund von Ausflügen oder ähnlichem nicht gegönnt habe. Nachmittags gab es dann ab und zu noch eine leckere belgische Waffel und abends haben wir das Essen meist ausgelassen, weil wir noch so satt waren 😉

Tag 2

Der zweite Tag an Bord war ebenfalls zum Großteil ein Seetag, aber am frühen Abend sind wir im Hafen von Arrecife, der Hauptstadt von Lanzarote, angekommen. Die zwei Tage gaben uns genug Gelegenheit, sich mit dem Schiff vertraut zu machen und alles zu erkunden. Aber es war auch schön, wieder Land in Sicht zu haben und sich mal richtig die Beine vertreten zu können. So sind wir direkt von Bord gegangen, sobald der Ausgang eingerichtet und freigegeben war, um die Stadt zu erkunden. Ich war als Kind bereits auf Lanzarote, aber kann mich natürlich hauptsächlich aus Erzählungen daran erinnern. Meine Mami hat immer nicht so überschwänglich davon berichtet, deswegen war ich gespannt, wie es sein würde. Um ehrlich zu sein war es wirklich nicht besonders schön. Die Stadt war nichts Besonderes und hatte weder außergewöhnlich schöne Gebäude noch schöne Straßen, Cafés oder Einkaufsmöglichkeiten. Das einzig Schöne, mit dem die Stadt punkten konnte (und das wir gesehen haben), waren die Boote, die an dem durch Ebbe trocken gelegten Ufer zu finden waren. Ansonsten gab es viele Bauruinen, die brach lagen und generell viele baufällige Gebäude. Wenig begeistert waren wir dementsprechend zügig mit der Besichtigung durch und wieder zurück an Bord und freuten uns umso mehr auf unseren Ausflug am nächsten Tag.

 

Tag 3

Einigermaßen ausgeschlafen (an Land schläft es sich doch etwas besser als auf dem offenen Meer) ging es dann am nächsten Morgen nach dem Frühstück auf zu einer Wanderung in den „Feuerbergen“. Die Landschaft von Lanzarote wird geprägt durch die Vulkane- mehr als jede andere kanarische Insel. Nach einer circa 30-minütigen Busfahrt haben wir die das Besucherzentrum des Nationalparks Timanfaya erreicht. Dort war ein kleines Museum untergebracht, in dem man mehr über die Insel und die Entstehung und Beschaffung der Vulkane dort erfahren konnte. So konnten wir uns schon mal auf die Erkundungstour einstimmen. Auf unserer Tour sind wir in den „Rabenkessel“, einen Krater, gelaufen. Zudem haben wir den Vulkan „Montana Colorada“ mit seiner beeindruckenden roten Flanke gesehen. Anschließend ging es weiter mit dem Bus durch das Weinanbauzentrum und nach einem Halt und einer Weinverkostung zurück zum Schiff. Die Vulkanlandschaft war wirklich beeindruckend. Dafür ist Lanzarote ja bekannt und dafür hat es sich gelohnt, dort hinzufahren. Die Aufenthaltszeit war genau richtig bestimmt, aber über mehrere Tage oder gar Wochen Urlaub auf Lanzarote zu machen, muss jetzt nicht unbedingt sein.

Am Abend ging es dann weiter Richtung La Palma.

Tag 4

Dort legten wir am Tag darauf im Hafen der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma an. Dort hatten wir eine Quad Tour durch Salemera gebucht. Diese ging aber erst nachmittags los, sodass wir vorher noch genug Zeit hatten uns die Hauptstadt näher anzuschauen. Und das hat sich wirklich gelohnt. Die Stadt hat mich persönlich etwas an Havanna erinnert. Ich war zwar noch nie dort, aber so in etwa stelle ich es mir auf Kuba vor. Viele bunte Häuser und kleine Gassen. Noch dazu ein Meer an Blumen überall und schöne Verzierungen. Am Nachmittag ging es dann auf die Quads. Insgesamt waren wir knapp zwei Stunden durch die Berge von Mazo unterwegs. Dabei sind wir vorbei an Bananenplantagen und durch Vulkanlandschaften gefahren. Teilweise auch offroad auf Sandwegen, was den Spaßfaktor natürlich enorm gesteigert hat. Eine echt coole Tour und Quad fahren kann man ja auch nicht alle Tage. Von der Quad-Tour selbst habe ich leider keine Fotos gemacht, da ich meine Kamera nicht dabei hatte und es auch schwierig gewesen wäre, beim Fahren Fotos zu machen 😉  

Abends haben wir abgelegt und  uns auf den Weg Richtung Madeira gemacht, wo wir am nächsten Morgen im Hafen der Hauptstadt Funchal ankamen.

Tag 5

Wandern gehört wohl zu den besten Möglichkeiten, eine Insel wie Madeira zu erkunden. Leider ging unser Ausflug an diesem Morgen sehr früh los, weswegen wir nur kurz Zeit hatten, uns Funchal anzuschauen (um genau zu sein circa eine halbe Stunde). Viel zu kurz also. Das, was ich gesehen habe, hat mir aber sehr gut gefallen und nach Madeira würde ich auf jeden Fall noch einmal reisen, falls sich irgendwann noch einmal die Gelegenheit dafür ergeben sollte. Los ging es wieder einmal mit dem Bus, da wir erst einmal aus Funchal rausmussten um in’s Inselinnere zu gelangen. Von dort aus führten die schmalen Wege uns entlang eines einzigartigen Bewässerungssystems, genannt Levadas, durch wundervolle und einzigartige Landschaft. Gespeist werden die Levadas von natürlichen Quellen oder großen Wasserreservoirs. Es war wirklich toll, die grüne Landschaft zu bestaunen und zu sehen, auf welchen teilweise winzigen „Feldern“ am Hang die Bauern ihre Felder bewirtschaften. Etwas gewöhnungsbedürftig waren allerdings die Vogelscheuchen, die auf einem Feld aufgestellt worden waren. Diese schöne gelbliche Blüte, die ihr auf dem unteren Foto seht, gehört zu einer Pflanze, die aufgrund ihrer Wurzeln falscher Ingwer genannt wird. Sie hat zwar wunderschöne Blüten und man kann ihren Nektar schlürfen, allerdings ist sie eine Plage auf Madeira und auch auf vielen anderen Inseln, auf der sie importiert worden ist. Sie breitet sich unkontrolliert aus und verdrängt andere heimische Pflanzen.

Auch an kleinen Holzhütten, in denen jeweils eine Ziege wohnte und tatsächlichen Wohnhäusern sind wir vorbei gekommen. Vor der Rückfahrt haben wir noch in einer Bar Halt gemacht, um eine Poncha zu trinken- ein typisches alkoholisches Inselgetränk. Dazu gab es eingelegte Bohnen. Beides wirklich sehr zu empfehlen!

Tag 6

Der sechste Tag war wieder ein Seetag, an dem wir das übliche Programm durchführten- am Pool liegen und essen. An diesem Tag hat meine Mami ihren 50. Geburtstag gefeiert- der Grund für unsere Reise. Dementsprechend haben wir an diesem besonderen Tag ausnahmsweise abends nochmal im Restaurant zugeschlagen und die Ausfahrt aus Funchal beobachtet. Ziemlich lang sind wir an der Küste von Madeira langgefahren, weswegen es windstill war. Aber sobald wir die Spitze von Madeira passiert hatten, nahm der Wind unweigerlich zu und blies ganze Gedecke von den Tischen draußen. Deswegen saßen wir danach drinnen und haben den Abend entspannt ausklingen lassen.

Tag 7 

Am nächsten Morgen sind wir in Ponta Delgada, der Hauptstadt der Azoren auf der Insel Sao Miguel, angekommen. Dieses Mal haben wir eine etwas längere und anspruchsvollere Wanderung gemacht. Mit dem Bus ging es an die Nordküste. Vom Startpunkt Ribeira Funda aus sind wir auf einem kleinen Pfad in ein dicht bewachsenes Flusstal gewandert. Am Grund des Tales befanden sich idyllische Ruinen vom Wassermühlen und kleine Wasserfälle. Über einen Höhenrücken mit sagenhaften Ausblicken über die Nordküste ging es zum wohl schönsten Strand der Azoren: den Praia da Viola. Ein kleiner schwarzer Sandstrand umgeben von der Steilküste, an den man nur zu Fuß gelangt und der fast menschenleer war. Zwischendurch gab es ein Picknick und das Ende der Wanderung befand sich in dem Ort Maia, der direkt am Meer gelegen ist. Dort haben wir eine kleine Pause mit Eis und Getränken eingelegt, bevor es mit dem Bus in Richtung Furnas ging. Dort erwarteten uns Schwefelquellen, von denen ich ehrlich gesagt wenig begeistert bin. Ich war vor ein paar Jahren im Urlaub im Yosemite Nationalpark in Amerika, in dem ich bereits Bekanntschaft mit Geysieren gemacht habe. Für mich ist der Gestank nach faulen Eiern wirklich kaum zu ertragen und ich muss echt den Würgereiz unterdrücken, weswegen diese Sehenswürdigkeit kein Highlight für mich war. Obwohl die Thermalquellen ja wirklich schön anzusehen sind. Das muss man ihnen lassen. Auf dem Rückweg nach Ponta Delgada an der Steilküste sind wir am Furnas-See vorbei gekommen. Der See liegt in einem Vulkankrater im Landschaftsschutzgebiet. Dennoch ist er in keinem guten Zustand. Der exzessive Gebrauch von Düngemittel für die Land- und Viehwirtschaft haben das Seewasser in hohem Maße überdüngt. Dadurch ist das Wasser zwar schön grün und es handelt sich um ein wahres Naturspektakel, aber die Behörden versuchen ständig mit verschiedensten Maßnahmen,  das Problem in den Griff zu bekommen. Bisher leider mit gar keinem, beziehungsweise nur kurzfristigem Erfolg.

Nachdem wir wieder auf dem Schiff angekommen sind, haben wir erst einmal ausgiebig gegessen. Im Anschluss daran sind wir dann noch einmal aufgebrochen, um uns Ponta Delgada näher anzuschauen. Die Stadt war echt ganz schön, aber nach einer kleinen Runde waren wir auch zu müde, noch weiter zu gehen und sind wieder zurück gekehrt. Trotzdem war es ein ganz netter erster Eindruck.

Über den weiteren Verlauf der Reise von einer weiteren Azoren-Insel bis nach Spanien könnt ihr dann bald im nächsten Beitrag lesen. Ich hoffe, dass ihr bis hierhin schon einmal einen kleinen Überblick gewinnen konntet 🙂